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Der Untergang der Tablet-Magazine

Einer meiner Vorsätze fürs neue Jahr: keine digitalen Magazin- oder Tageszeitungsabos mehr abschließen. Leider habe ich mich immer wieder dazu hinreißen lassen, denn prinzipiell kann ein Magazin auf einem Tablet gut aussehen. Doch es gibt einen Haken: Ich nutze die Magazin-Apps viel zu selten. Und damit bin ich nicht allein.

Verlage haben in der Vergangenheit mehr und mehr in ihre digitale Strategie investiert. Manche haben sehr aufwendig Tablet-taugliche Ableger ihrer Print-Titel im App-Store platziert. Doch die wenigsten dürften damit Erfolg gehabt haben und wie es aussieht, lohnt sich das Warten auf steigende Leserzahlen nicht.

Nur 8 Apps werden täglich genutzt
Natürlich sind Tablets ideal, um guten Content zu lesen. Täglich nutze ich Flipboard, Pocket, Feedly, Facebook und Twitter. Alles Anwendungen, die selbst keine Inhalte herstellen, sondern für mich Interessantes aus dem Web clever kuratieren und jeden Morgen zum einfachen Abruf bereit halten. Die Lese-Apps von Spiegel, FAZ, New Yorker, Wired und anderen bleiben dagegen bei mir überwiegend geschlossen. Und das, obwohl ich für manche davon auch mal ein Abo abgeschlossen habe.

Schon im letzten Jahr hat Nielsen die durchschnittliche Anzahl der Apps pro Smartphone auf 41 geschätzt. Doch nur acht davon öffnet der Nutzer am Tag, darunter am beliebtesten: Facebook, YouTube und verschiedene Spiele. Für Magazin-Apps bleibt da wenig Nutzerzeit übrig. Dazu kommt, dass ganze 22 Apps insgesamt nur einmal geöffnet werden und danach brach liegen.

Dasselbe gilt für Tablets, die ja auch zu den mobilen Endgeräten zählen. Nicht selten liegen sie heute auf dem Couchtisch im Wohnzimmer, dort wo sich früher Magazine gestapelt haben. Und wie man sieht, ist im Nutzerverhalten auch wenig Platz für epapers, PDFs und enhanced replicas der Print-Magazin-Titel.

Abgeschottet und ungeteilt
Anders als auf einer Webseite werden die Artikel in einer solchen Zeitschriften-App nicht von Suchmaschinen indiziert und sind deshalb auch nicht über eine Websuche direkt erreichbar. Im besten Fall wird man zum App-Store weitergeleitet. Damit ist das Magazin abgeschnitten vom größten Besucherfluss, der für Medien heute überhaupt erreichbar ist. In den Sozialen Netzwerken tauchen die Inhalte ebenfalls nicht auf, denn sie verfügen über keinen direkten Link zum Teilen. Jeder noch so gute Artikel bleibt dort leider unerreichbar für noch mehr potentielle Leser, aber auch für Dienste wie Flipboard und Zite.

Selbst für Apple scheint die „Zeitungskiosk“-App nicht mehr die heilige Kuh für Verlage zu sein, als die sie einmal angepriesen wurde. Auf Wunsch gibt es für den Nutzer jetzt keine Erinnerung mehr, wenn neue Magazine verfügbar sind. Und noch schlimmer: Den Zeitungskiosk kann man auf dem iOS-Desktop nun in einen anderen Ordner verschieben. Damit reagiert Apple auf das nie richtig große Interesse an den digitalen Ausgaben der Magazine.

Abozahlen verblassen gegen Unique Visits
Es wird erwartet, dass die Tablet-Verkäufe die der Laptops bald überholen. Das diesjährige Weihnachtsgeschäft wird den Trend bestätigen. Doch auch in diesem starken Fahrwasser gibt es bisher keine Erfolgsgeschichte einer Magazin-App für Tablets und Smartphones. Selbst ein sehr früher Player wie die amerikanische Wired konnte seit Mai 2010 lediglich 850.000 neue Abos abschließen, davon nur 102.000 digitale. Beide Zahlen verblassen gegen die monatlich fast 20 Millionen (unique) Besucher auf wired.com.

Die teuer und liebevoll programmierten Magazin-Apps werden einmal bestaunt und bleiben danach mehr oder weniger unbeachtet auf dem Tablet oder Smartphone liegen. Das ist schade, aber die Nutzer haben sich entschieden. Für das offene Web, wo der Informationsfluss in mehr als nur in eine Richtung geht und das Potential für guten Content voll ausgeschöpft werden kann.

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